







15 Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. 17 Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. 18 Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. 19 Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
«Harpa Dei» © Mit freundlicher Genehmigung Mit freundlicher Genehmigung
(Schauplatz gestalten)
Jesus spricht von einem Riss. Das ist vielleicht das genauere Wort als Konflikt. Konflikte beginnen oft kleiner: mit einem Satz, der hängen bleibt. Mit einer Antwort, die ausbleibt. Mit einer Kränkung, die nicht ausgesprochen wird und deshalb im Stillen Karriere macht. Ein Bruder hat gesündigt, sagt der Text. Aber Jesus beginnt nicht mit einem Urteil. Er beginnt mit einem Weg. Geh hin. Sprich mit ihm allein. Nicht zuerst mit allen anderen. Nicht im inneren Gerichtssaal. Nicht in jener höflichen Form des Schweigens, die längst beschlossen hat, wer schuld ist. Noch soll der andere nicht zum Fall werden. Noch soll ein Mensch zurückgewonnen werden. Auffällig ist, wie oft es ums Hören geht. Hört er auf dich. Hört er nicht. Hört er auch auf die anderen nicht. Als wäre das eigentliche Drama nicht nur die Schuld, sondern das verlorene Hören. Ein Gespräch ist abgerissen. Jesus fragt, ob es einen Weg zurück ins Hören gibt. Und dann steht da dieser berühmte Satz: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Man hört ihn gern bei freundlichen Runden. Hier steht er im Streit. Das macht ihn weniger gemütlich, aber stärker. Christus ist nicht nur dort, wo alle einverstanden sind. Er ist gerade dort in der Mitte, wo Menschen noch einmal versuchen, den Faden nicht ganz abreißen zu lassen.
(Reflexionsfrage 1)
Wo habe ich ein Gespräch innerlich schon aufgegeben — obwohl vielleicht noch ein erster, geschützter Schritt möglich wäre?
(Reflexionsfrage 2)
Welche Worte könnten heute einen Knoten lösen, statt ihn fester zu ziehen?
(Vorbereitung zweites Hören)
Ich höre die Lesung ein zweites Mal und achte darauf, wie oft es ums Hören geht — und darauf, dass Jesus nicht mit Öffentlichkeit beginnt, sondern mit dem Versuch, einen Menschen zurückzugewinnen.
Meine Gedanken und Gefühle mache ich zu einem Gebet und vertraue Gott an, was mich bewegt.
So bitten wir Gott um seinen Segen für das Kommende.
Es segne und begleite uns Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.