





«Passo-a-rezar» © Mit freundlicher Genehmigung Mit freundlicher Genehmigung
Beten mit der Schöpfung – Betrachtung von der Menschwerdung Diese Betrachtung will zu einem zentralen Geheimnis des christlichen Glaubens hinführen: dass Gott in Jesus ein Mensch, ein Erdenbewohner, geworden ist.
Ich nehme mir einen Augenblick Zeit, um in meinem Leib, im Hier und Jetzt anzukommen.
Ich richte mich innerlich aus und beginne dieses Gebet:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
„Gott, diese Zeit des Gebets will ich dir allein schenken. Gib, dass ich mit allem, was jetzt in mir lebendig ist, ganz auf dich ausgerichtet sei. Lass mich erkennen, was es heißt, dass du für mich und für die ganze Schöpfung Mensch geworden bist, so dass ich dich immer besser kennenlernen und dich immer mehr lieben und dir nachfolgen kann. Amen.“
Ich schaue mit meinem inneren Auge auf den Planeten Erde, so als würde ich ihn vom Weltraum aus sehen. Eine riesige Kugel, mehrheitlich blau aufgrund des Ozeans.
Ich komme etwas näher ran und schaue auf verschiedene Kontinente, auf Wüsten, Gebirge, Küsten, Meere.
Ich zoome noch näher heran und betrachte die Vielzahl der Städte, Dörfer und Häfen und die von Schiffen befahrenen Meere.
Noch näher gehe ich heran und schaue auf die Vielzahl der Pflanzen und Tiere, die die Erde bevölkern.
Die Meere, die voll sind von Meerestieren, vom kleinsten Plankton bis zu riesigen Walen, sowie von Seesternen, Algen und Korallenriffen.
Die Kontinente und die Flora und Fauna, die auf ihnen lebt, in all ihrer Schönheit und Vielfalt: Bakterien und Amöben, Würmer, Wiesen, Steppen und Wälder, Kriechtiere und Spinnen, Vierbeiner und alle Arten von Vögeln, Schmetterlingen und Insekten.
Was sehe ich? Was höre ich? Welche Gefühle stellen sich bei mir ein?
Nun schaue ich auf die Menschen, die auf der Erde leben – auf die Vielzahl an Völkern, Kulturen und Lebensweisen. Auf verschiedene Geschlechter, Hautfarben, Sprachen und Religionen. Wie die Menschen lachen und weinen. Wie die einen gesund sind, die anderen krank. Auf jene, die geboren werden und auf jene, die sterben.
Ich betrachte all das Gute, das Menschen tun. Wie sie sich gegenseitig helfen. Wie sie füreinander sorgen, indem sie sich gegenseitig Zeit schenken und miteinander reden. Wie sie Kinder aufziehen, sich auf fürsorgliche Weise um die Erde, um Tiere, um Pflanzen kümmern. Ich richte den Blick auf das Bemühen um Gerechtigkeit und Frieden und auf die Kreativität, die Liebe und den guten Willen der Menschen, wie sie sich in ihrem Handeln zeigen.
Nun schaue ich auf die Ungerechtigkeit und Gewalt, die unter Menschen herrscht. Auf unterdrückte Völker und koloniale Strukturen. Auf Kriege und Konflikte, die viele Opfer fordern und die Natur zerstören. Einige wenige Reiche, die sich weiter bereichern, und die große Zahl der Armen, die in Hunger und Elend leben. Die Ausrottung von Tieren, die Zerstörung von Landschaften, Verschmutzung der Meere und der Luft.
Was sehe ich? Was höre ich? Welche Gefühle stellen sich bei mir ein?
Nun stelle ich mir vor, wie Gott auf die ganze Schöpfung schaut, und auf die Menschheit in ihr. Wie Gott schon seit langem voraussieht, dass vieles in eine katastrophale Richtung geht, wenn die Menschen so weitermachen.
Und wie Gott beschließt, selbst auf die Erde zu kommen und den Menschen den Weg zu zeigen, damit sie ihre Rolle als Hütende ihrer Geschwister und Hütende der Schöpfung wieder entdecken.
Ich schaue auf mein Innenleben und werde mir bewusst, dass auch mich innere Kämpfe durchziehen. Die Neigung zur Gewalt. Die Fähigkeit zu ungerechtem Handeln. Das Desinteresse am Leiden anderer Menschen und Geschöpfe. Und ich lasse Gottes barmherzigen Blick darauf schauen.
Ich werde mir meines eigenen Körpers bewusst. Wie ich ein- und ausatme und dabei in Kontakt bin mit der mich umgebenden Schöpfung: Der Sauerstoff in der Luft ist durch die Photosynthese von Pflanzen entstanden. Die Erde, auf der ich sitze, trägt mich. Die Güter der Erde nähren mich. Die Liebe vieler Menschen hat mich wachsen lassen. Gott selbst lebt in mir.
Nun schaue ich auf einen bestimmten Menschen: Maria, wie sie vor etwa 2000 Jahren in ihrem Zimmer sitzt. Ein einfaches Haus in einem kleinen Dorf. Ein Engel tritt herein und kündigt ihre Schwangerschaft an. Sie soll Jesus, den Retter, zur Welt bringen. Wie sie ja sagt zu dieser Berufung und Jesus daraufhin in ihr Gestalt annimmt.
Was sehe ich? Was höre ich? Welche Gefühle stellen sich bei mir ein?
Was will ich zum Abschluss Gott, der soeben Mensch geworden ist, sagen? Ich nehme mir ein paar Minuten und spreche zu ihm wie zu einem guten Freund oder einer guten Freundin.
Verbunden mit allen Menschen, die einfach beten spreche ich zum Abschluss das Gebet, das uns Christinnen und Christen miteinander verbindet auf dieser Erde und darüber hinaus: Vater unser.