«zweioderdrei» © mit freundlicher Genehmigung der Künstler zweioderdrei
«Salt of the Sound» © mit freundlicher Genehmigung der Künstler Salt of the Sound
An die Mitglieder der päpstlichen Akademie für das Leben richtete Papst Franziskus am 20. Februar 2023 folgende Worte:
“Bei der Beziehung zwischen Mensch, neuen Technologien und Gemeinwohl handelt es sich um eine heikle Frontlinie, an der sich Fortschritt, Ethik und Gesellschaft begegnen und an der der Glaube in seiner fortwährenden Bedeutung einen wertvollen Beitrag leisten kann. In diesem Sinne hört die Kirche nie auf, den Fortschritt von Wissenschaft und Technik im Dienste der Würde der Person und einer »umfassenden und integrierenden« menschlichen Entwicklung zu fördern. Ich möchte mit euch über Herausforderungen nachdenken, die ich in diesem Zusammenhang für wichtig halte. (…)
Die erste Herausforderung: die Veränderung der menschlichen Lebensbedingungen in der Welt der Technologie. Wir wissen, dass es dem Menschen eigen ist, in der Welt auf technologische Weise zu handeln, um die Umwelt zu verändern und die Lebensbedingungen zu verbessern. Benedikt XVI. erinnerte daran, indem er erklärte: die Technik »entspricht der eigentlichen Berufung der menschlichen Arbeit: In der Technik, die als Werk seines Geistes gesehen wird, erkennt der Mensch sich selbst und verwirklicht das eigene Menschsein«. Sie hilft uns daher, den Wert und das Potenzial der menschlichen Intelligenz besser zu verstehen, und spricht gleichzeitig von der großen Verantwortung, die wir gegenüber der Schöpfung haben. In der Vergangenheit war die Verbindung zwischen Kulturen, sozialen Aktivitäten und der Umwelt aufgrund weniger dichter Interaktionen und langsamerer Auswirkungen weniger stark ausgeprägt. Heute hingegen macht die rasante Entwicklung der technischen Mittel die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Menschen und dem »gemeinsamen Haus« intensiver und offensichtlicher. (…)
Die zweite Herausforderung: die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Definition von »Mensch« und »Beziehung«, insbesondere im Hinblick auf die Situation der Benachteiligten. Es ist offenkundig, dass die technologische Form der menschlichen Erfahrung jeden Tag vorherrschender wird: Bei der Unterscheidung zwischen »natürlich« und »künstlich«, »biologisch« und »technologisch« werden die Kriterien, anhand derer man das Eigene des Menschlichen und des Technischen unterscheiden kann, immer komplizierter. (…) Im Netz der Beziehungen, sowohl der subjektiven als auch der gemeinschaftlichen, kann die Technologie den menschlichen Kontakt nicht ersetzen, das Virtuelle nicht das Reale und die Sozialen Medien nicht das soziale Umfeld. Und wir stehen in der Versuchung, das Virtuelle über das Reale siegen zu lassen: Das ist eine unschöne Versuchung. (…)
Es geht darum, von den Erfahrungen auszugehen, die wir alle als Menschen teilen, und sie zu studieren, indem wir die Perspektiven der Komplexität, des transdisziplinären Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Subjekten einnehmen. Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen: Wir wissen, dass der Herr uns nicht im Stich lässt und dass das, was wir tun, auf dem Vertrauen beruht, das wir in ihn setzen, den »Freund des Lebens« (Weish 11,26).”