Reflexion

(Schauplatz gestalten)
Der Duft von würzigen Kräutern und den Speisen auf dem Tisch bekommt plötzlich einen bitteren Beigeschmack. Unerschrocken blickt Jesus in die Runde der edlen Gäste und beklagt, dass sie zwar peinlich genau den Zehnten abgeben, aber das Recht und die Liebe Gottes völlig vergessen. Er relativiert seine Aussagen nicht. Er formuliert nicht diplomatisch. Er hält ihnen den Spiegel vor.
Ich beobachte die stolzen Gesichter am Tisch, Männer, die es lieben, auf den Straßen ehrfurchtsvoll gegrüßt zu werden, und spüre die Empörung im Raum. Seine Worte schneiden scharf durch die Luft, als er sie mit unsichtbaren Gräbern vergleicht, über die man ahnungslos hinweggeht. Da rückt einer der Gesetzeslehrer unruhig sein Polster zurecht und wirft Jesus mit gekränkter Stimme vor, nun auch sie zu beleidigen. Doch statt einzulenken, wendet sich Jesus ihm direkt zu, und sein Blick wird noch ernster. Er wirft ihnen vor, den Menschen unerträgliche Lasten aufzubürden, ohne selbst auch nur einen einzigen Finger zu rühren.
Ich senke den Blick auf meine Hände und spüre plötzlich das erdrückende Gewicht dieser Worte – eine Schwere, die weit über die Wände dieses Hauses hinausreicht.

(Reflexionsfrage 1)
Wo fühle ich mich herausgefordert, meine eigene Religiosität zu überprüfen? Neige ich beim Blick auf mich und andere eher zu erdrückender Rechtgläubigkeit oder von der Liebe Gottes geprägter Zugewandtheit?

(Reflexionsfrage 2)
Wo habe ich mich eingerichtet in einem Geflecht von Anerkennung und Ansehen durch Andere und nehme nicht mehr Jesu liebenden Blick als Maßstab?

(Vorbereitung zweites Hören)
Ich höre die Lesung ein zweites Mal und achte besonders auf das Auftreten Jesu, das keinen Deut zu Uneindeutigkeit lässt.

Meine Gedanken und Gefühle mache ich zu einem Gebet und vertraue Gott an, was mich bewegt.

So bitten wir Gott um seinen Segen für das Kommende.
Es segne und begleite uns Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.