Reflexion

In seiner Botschaft zum 59. Weltfriedenstag am 1. Januar 2026 sagte Papst Leo:
„Der Friede sei mit dir!“ Dieser sehr alte Gruß, der auch heute noch in vielen Kulturen alltäglich ist, wurde am Abend des Ostertags durch den auferstandenen Jesus mit neuer Kraft erfüllt. »Friede sei mit euch!« ( Joh 20,19.21) lautet sein Wort, das nicht nur einen Wunsch ausdrückt, sondern in denen, die es annehmen, und damit in der gesamten Wirklichkeit eine bleibende Veränderung bewirkt. Deshalb verleihen die Nachfolger der Apostel jeden Tag und überall auf der Welt dieser ganz stillen Revolution ihre Stimme: „Der Friede sei mit euch!“ Bereits am Abend meiner Wahl zum Bischof von Rom war es mir ein Anliegen, meinen Gruß in dieses gemeinsame Bekenntnis einfließen zu lassen. Und ich möchte es noch einmal betonen: Dies ist der Friede des auferstandenen Christus, ein unbewaffneter und entwaffnender Friede, demütig und beständig. Er kommt von Gott, dem Gott, der uns alle bedingungslos liebt. (…)
Wenn wir Frieden als ein fernes Ideal betrachten, finden wir es nicht mehr skandalös, dass er verweigert werden kann und dass sogar Kriege geführt werden, um Frieden zu erreichen. Es scheint an den richtigen Gedanken zu mangeln, an wohlüberlegten Worten, an der Fähigkeit zu sagen, dass der Friede nahe ist. Wenn der Friede keine gelebte Wirklichkeit ist, die es zu bewahren und zu pflegen gilt, dann macht sich Aggressivität sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben breit. Dann wird in der Beziehung zwischen Bürgern und Regierenden der Umstand als Verfehlung angesehen, dass man sich nicht ausreichend auf den Krieg vorbereitet, darauf, auf die Angriffe anderer reagieren und Gewalt erwidern zu können. Auf der politischen Ebene ist diese – weit über den Grundsatz der legitimen Verteidigung hinausgehende – Logik der Gegensätzlichkeit der derzeit relevanteste Umstand für die globale Destabilisierung, die jeden Tag dramatischer und unvorhersehbarer wird. Es ist kein Zufall, dass die wiederkehrenden Forderungen nach einer Erhöhung der Militärausgaben und die daraus resultierenden Entscheidungen von vielen Regierenden mit der Gefährlichkeit anderer gerechtfertigt werden. Tatsächlich stehen Abschreckungspotenzial durch Macht und insbesondere nukleare Abschreckung für die Irrationalität von Beziehungen zwischen Völkern, die nicht auf Recht, Gerechtigkeit und Vertrauen beruhen, sondern auf der Angst und der Herrschaft der Stärke. (…)
Die Güte ist entwaffnend. (…) Johannes XXIII. führte als Erster die Perspektive einer umfassenden Abrüstung ein, die nur durch die Erneuerung des Herzens und des Verstandes erreicht werden kann. So schrieb er in Pacem in terris: »Allerdings müssen alle davon überzeugt sein, dass das Ablassen von der Rüstungssteigerung, die wirksame Abrüstung oder – erst recht – die völlige Beseitigung der Waffen so gut wie unmöglich sind, wenn dieser Abschied von den Waffen nicht allseitig ist und auch die Gesinnung erfasst, das heißt, wenn sich nicht alle einmütig und aufrichtig Mühe geben, dass die Furcht und die angstvolle Erwartung eines Krieges aus den Herzen gebannt werden. Dies setzt aber voraus, dass an die Stelle des obersten Gesetzes, worauf der Friede sich heute stützt, ein ganz anderes Gesetz trete, wonach der wahre Friede unter den Völkern nicht durch die Gleichheit der militärischen Rüstung, sondern nur durch gegenseitiges Vertrauen fest und sicher bestehen kann.”
Wahrer Friede ist entwaffnend und entwaffnet. Er beginnt im Herzen und mit der Bereitschaft zum Dialog. Wie reagiere ich in meinem Alltag in Konflikten und Konfrontationen? Gelingt es mir, ein hörender Mensch zu sein, der bereit ist, in den Dialog einzutreten?
Lebe ich als Werkzeug für den Frieden? Bereit, mein Gegenüber zu hören und mich auf andere Positionen einzulassen? Kann ich vertrauen und Vorurteile überwinden?

Wiederholung des Anliegens und Raum für persönliche Verbindung/Gesichter/Menschen
Im März beten wir mit Papst Leo, dass die Nationen in einer wirksamen Abrüstung vorankommen, besonders in der nuklearen Abrüstung, und dass die Verantwortlichen in der Welt den Weg des Dialogs und der Diplomatie wählen statt der Gewalt.
Ich nehme mir einen Augenblick, um mir besonders die Menschen, die unter Kriegen und Konflikt leben müssen, in Erinnerung zu rufen. Ich denke an die Menschen, die unter Streit und Dialogunfähigkeit leiden. Besonders bete ich auch für die Menschen, die politisch Verantwortung tragen. Ich bitte um Bereitschaft zu Diplomatie und Dialog.

Verweis auf Click To Pray
Um auch im Alltag in der Verbindung zu Gott zu bleiben und das Gebetsanliegen des Papstes wachzuhalten, kann mir die App *Click To Pray *eine Hilfe sein.
Zum Abschluss meines Gebetes bete ich das Gebet des Monats.

Gebet des Monats
Herr des Lebens,
du hast jeden Menschen nach deinem Bild und Gleichnis geschaffen.
Wir glauben, dass du uns für die Gemeinschaft geschaffen hast, nicht für den Krieg, für Geschwisterlichkeit, nicht für die Zerstörung.
Du, der du deine Jünger mit den Worten „Friede sei mit euch“ begrüßt hast,
gewähre uns die Gabe deines Friedens
und die Kraft, ihn in der Geschichte Wirklichkeit werden zu lassen.
Heute erheben wir unser Gebet um Frieden in der Welt
und flehen darum, dass die Nationen auf Waffen verzichten
und den Weg des Dialogs und der Diplomatie wählen.
Entwaffne unsere Herzen von Hass, Groll und Gleichgültigkeit,
damit wir Werkzeuge der Versöhnung sein können.
Hilf uns zu verstehen, dass wahre Sicherheit
nicht aus Kontrolle entsteht, die Angst nährt,
sondern aus Vertrauen, Gerechtigkeit und Solidarität zwischen den Völkern.
Herr, erleuchte die Verantwortlichen der Nationen,
damit sie den Mut haben, Projekte des Todes aufzugeben,
das Wettrüsten zu beenden
und das Leben der Schwächsten in den Mittelpunkt zu stellen.
Möge die nukleare Bedrohung niemals wieder die Zukunft der Menschheit bestimmen.
Heiliger Geist,
mache uns zu treuen und kreativen Baumeistern des täglichen Friedens:
in unserem Herzen, unseren Familien,
unseren Gemeinschaften und unseren Städten.
Möge jedes freundliche Wort, jede Geste der Versöhnung
und jede Entscheidung für den Dialog Samen einer neuen Welt sein.
Amen.